Sie fördern den Zusammenhalt in der Gesellschaft

11. Januar 2026

SPD-Ortsverein Neuötting zeichnet ehrenamtlich Engagierte aus – Erstmals ist auch ein Verein darunter

Dreikönigsempfang
Neuötting. Den Feiertag Heilige Drei Könige nimmt der SPD-Ortsverein Neuötting-Alzgern seit mittlerweile zwölf Jahren zum Anlass, verdiente, ehrenamtlich engagierte Mitbürger auszuzeichnen. Heuer galt die Ehrung im Stadtmuseum Vasile Lazin, Barbara Mayer und dem Faltermeier Culture Yard. Letztere Ehrung stellte ein Novum dar: Erstmals wurde ein Verein ausgezeichnet, wie Ortsvorsitzender Stefan Wienzl sagte.
„Miteinander statt gegeneinander“ – mit diesen Worten verdeutlichte Wienzl den Kern des Ehrenamts, mit dem der Zusammenhalt in der Gesellschaft gefördert werde. Und dieser Zusammenhalt werde in Zeiten von Krieg und Extremismus immer wichtiger. Stadtrat und SPD-Bürgermeisterkandidat Rupert Bruckmeier betonte den Wert der ehrenamtlichen Arbeit in Bezug zur Tätigkeit derjenigen, die in offizieller Funktion Verantwortung tragen: „Die erste Reihe wäre nichts ohne die zweite Reihe, die im Stillen aktiv ist.“
SPD-Landratskandidat Holger Gottschalk erinnerte an die Flüchtlingswelle 2015, die ohne dem Einsatz der Ehrenamtlichen nicht bewältigbar gewesen wäre. Im Jugendbereich betonte er die Vorbildfunktion von Personen, die im Ehrenamt Verantwortung übernehmen. Sie würden im öffentlichen Leben auch einen Erziehungsauftrag erfüllen.
Passend zu dieser Feststellung galt die erste Ehrung einem Sportler: dem Boxtrainer Vasile Lazin. Mirjam Luttenberger, Co-Vorsitzende im Ortsverband, begann ihre Laudatio mit den Worten: „Champions werden nicht im Rampenlicht geboren – sondern im Training, wenn keiner zusieht. Genau deshalb ehren wird heute einen Menschen, der nie die große Bühne gesucht hat, der aber für viele andere den Ring erst möglich gemacht hat.“
Luttenberger beleuchtete die Karriere Lazins, der vor 50 Jahren in Rumänien mit dem Boxsport begonnen habe, rumänischer Meister im Fliegengewicht war und für die Nationalmannschaft gekämpft habe. Der Sportler, der seit 1990 in Deutschland lebt, gründete 2018 in Neuötting eine Boxabteilung im TSV. Im Alleingang habe er Sponsoren organisiert und Equipment beschafft: „Alles selbst. Kein großes Team im Rücken. Nur Einsatz, Überzeugungskraft – und dieser berühmte lange Atem, den man im Boxen braucht“ und der auch für den Lebensweg Lazins bezeichnend gewesen sei. Heute zähle die Abteilung 170 Mitglieder zwischen acht und 54 Jahren.
Neben dem Engagement und den Erfolgen Lazins als Trainer erwähnte Luttenberger auch sein Verdienst, 2024 die oberbayerischen Meisterschaften nach Neuötting geholt zu haben – inklusive oberbayerischem Meistertitel.
„Es ist mir eine besondere Freude, Sie heute stellvertretend für die vielen ehrenamtlich engagierten Menschen im Wohlfahrtsladen der Stadt Neuötting zu ehren“, begann Stefan Wienzl seine Laudatio auf Barbara Mayer. Sie unterstütze seit zehn Jahren einmal pro Woche mit einem Team die Arbeit im Laden, der von BRK und Arbeiterwohlfahrt getragen werde.
Besonders seit der Flüchtlingskrise 2015 stehe das Team unter der Leitung von Gisela Kratzer vor immensen Belastungen. „Die Integration verschiedener Kulturen und Sprachbarrieren stellen große Herausforderungen dar“, so Wienzl. Während der Corona-Pandemie sei die Lebensmittelausgabe auf To-go-Lösungen mit fertig gepackten Tüten umgestellt worden. Dieses System sei aufgrund der hohen Besucherzahl beibehalten worden. Diese habe sich seit Beginn des Ukrainekriegs mehr als verdoppelt und liege nun bei über 100 Bedürftigen mit Berechtigungsschein pro Woche.
„Frau Mayer und ihre Kolleginnen sind mehr als Helfende: Ihr seid eine verbindende Kraft in Neuötting, die dafür sorgt, dass Ressourcen sinnvoll verteilt werden und die Menschenwürde gewahrt bleibt. Euer Tun erinnert uns daran, dass das Ehrenamt eine tragende Säule unserer Gemeinschaft ist“, so Wienzl abschließend, der auch die lokalen Spender von Lebensmitteln sowie die Stadt in seinen Dank einbezog. Die Leistungen des Faltermeier Culture Yards würdigte SPD-Ortsvorstandsmitglied Thomas Strohmeier. Den Verein, dem etwa 40 Mitglieder angehören und der Sitz und Wirkungsstätte im ehemaligen Gasthaus am Faltermeierberg hat, charakterisierte Strohmeier als Ort, an dem Kunst und Kultur nicht nur stattfinden, sondern gelebt werden. Der Verein schaffe Räume für Begegnung, Inspiration und Austausch – „ausdrücklich politisch neutral, aber mit klarer Haltung für Menschlichkeit und Vielfalt“, so Strohmeier.
Der Laudator umriss kurz das Tätigkeitsfeld des Culture Yards. Er erwähnte den jährlichen Kunst- und Handwerkermarkt, regelmäßige Konzerte – u.a. am 25. Juli „Laut gegen Rechtsextremismus“ –, offene Werkstätten, Zusammenkünfte für jeden Interessenten jeweils am ersten Sonntag im Monat ab 14 Uhr, Brettspielabende, Müllsammelaktionen und die Bücher-Telefonzelle in unmittelbarer Nachbarschaft des Vereinsheims, wo Bücher von jedermann abgegeben und kostenlos ausgeliehen werden können. „Der Faltermeier Culture Yard ist ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, um Kultur zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen und Gemeinschaft zu leben“, umriss Strohmeier abschließend das Verdienst der Gruppe. Als Anerkennung für ihr Engagement erhielten alle Geehrten je ein Jahreslos der „Aktion Mensch“. −fb

Teilen